Wie verdammt schnell vergehen bitte zehn Jahre?!

Hätte jemand mir vor 14 Jahren gesagt, dass ich mit 20 die Liebe meines Lebens treffe, hätte ich diese Person für verrückt erklärt. Allen voran, weil ich vor 14 Jahre mit der ersten Liebe meines Lebens zusammen und absolut hin und weg war. Dass dieses Glück - rückblickend betrachtet - nur einen Wimpernschlag anhalten und ziemlich fies Ende würde, war damals nicht abzusehen. Zumindest für mich. Für die erste Liebe meines Lebens vermutlich schon, immerhin war sie es, die mir das Herz nur wenige Monate später so dermaßen zerbrach, wie es danach nie wieder jemand schaffte. Nicht, dass sich besonders viele Gelegenheiten geboten hätten.

Etwa drei.

D. war - wie gesagt - meine erste Liebe. Wir lernten uns - für damals absolut freaky Verhältnisse - online kennen, mit 15, vielleicht aber auch schon mit 14. Zeit ist in diesem Alter eine zähe Masse, die klebrig ist und sich nur schwer überwinden lässt. (Wie sagt: rückblickend, in Wimpernschlag.) Zu behaupten, ich sei verliebt gewesen, wäre eine glatte Lüge. Denn ehrlicherweise hatte ich ihn überhaupt nicht auf dem Schirm, bis er mir seine Liebe gestand, Anfang 2006. Das war der Moment, ab dem auch ich Feuer und Flamme war, total bereit, all-in zu gehen. Bring it on! Wir trafen uns und es kam, wie es kommen musste - als hätte ich mir, mitten in der Pubertät, die Chance entgehen lassen, endlich zu knutschen. Und so kam es, wie es kommen musste: Wir wurden ein Paar und ich damit Teil von dem, was man in diesem Alter eben unter einer Beziehung versteht. "Viel hihi und huhu", würde meine Mutter jetzt sagen. Hormongesteuert eben. Wir knutschten, wir fummelten, und ja, verdammt, natürlich entjungferten wir uns auch gegenseitig.
Anderthalb bis zwei Jahre hielt der Zauber an, bis er eines Tages - für mich wie gesagt absolut überraschend - verkündete, dass es das gewesen war. Aus, Schluss, vorbei.

Etwa ein Jahr später traf ich G. Er war - und ist auch heute noch - der Cousin eines sehr, sehr guten Freundes. Ich war 18, immer noch desillusioniert von der etwa ein Jahr zurückliegenden Trennung und ganz sicher: so richtig Hals über Kopf verlieben werde ich mich in diesem Leben nicht mehr. (Needless to say, dass ich damals wirklich noch dachte, in D. Hals über Kopf verliebt gewesen zu sein. Es brauchte Jahre, um zu erkennen, dass ich ihn nur reaktiv mochte, angestoßen durch sein Vorpreschen.) Poor, heartbroken V.

Zurück zu G. G. ist 3 Jahre älter, was mit 18 sehr viel mehr ist, als es heute mit fast 30 ist. Im Gegensatz zu mir, die gerade mitten im Abi steckte und (natürlich) noch zu Hause bei ihrer Mutter wohnt (,was mir damals schon nicht gut tat, aber noch fünf schlimme Jahre andauern sollte). Jedenfalls fand ich ihn gut, er mich und so entspann sich ein Konstrukt, das wir Beziehung nannten. Und an das er deutlich mehr involviert war als ich. Ich fand ihn cool, okay witzig und ganz nett, was für mich reichte, um die drei schweren und gewichtigen Worte zu sagen. Und zwar sehr, sehr früh. Ich meine mich düster zu erinnern, dass G. mir seine Liebe sogar direkt am ersten Abend gestand und ich dies - feinfühlig, wie ich nun mal bin - rigoros ablehnte. Damals noch mit deutlich mehr Selbstbewusstsein ausgestattet als heute (wo ist das eigentlich hin?), wusste ich zwar, dass ich witzig und charmant bin - aber doch nicht SO witzig und SO charmant, dass man mich vom Fleck weg lieben könnte. (Verlieben, ja. Liebe - ALS OB.) Wochen später stellte sich raus, dass G. noch Jungfrau war, und in mir nicht nur seine erste Freundin (und eventuell sogar seinen ersten Kuss?) erahnte, sondern auch die Chance auf den ersten Sex seines Lebens - endlich. Aber wie gesagt, er war nettt, ich heartbroken, aber nicht willig, allein zu bleiben: Bring it on - again.

Während ich diese Worte tippe, fällt mir ein, dass da ja noch jemand war. Mein großes Vielleicht. K. K. war - und ist noch - ein Jahr jünger als ich, was sich wie gesagt mit 18 nach deutlich mehr anfühlt. In diesem Alter (deutlich - jaja, haha) älter als der "Mann" (again: haha) zu sein, verlangte für ein Mädchen schon einiges ab. Mehr, als ich geben konnte, und so bleibt K. wohl auf ewig mein großes Vielleicht.

Zurück zu meiner Eingangs erwähnten großen Liebe. Und dem nicht gerade schmeichelhaften Geständnis, dass ich nicht single war, als wir uns trafen, sondern noch mit G. liiert. Und das schräge ist, dass ich damals felsenfest davon überzeugt war, dass G. es hätte wissen müssen, dass da was im Busch ist.
Die Ausgangslage war wie folgt: Das Abi frisch in der Tasche, ging es für mich an die Uni. Germanistik sollte es sein (was ich heute so wohl nicht nochmal gewählt hätte). Germanistik wurde es auch, in der Nähe meiner Mutter, sodass ich das komplette Bachelorstudium noch in meinem Kinderzimmer verbrachte. Wenn es etwas gibt, was ich meinem zehn Jahre jüngeren Ich mit auf den Weg geben würde, dann dies: Zieh aus. Scheiß auf Unterstützung, das kriegst du auch so hin. Sei halt einfach mehr dahinter her. Sei bestimmter. Es tut dir gut und das allein zählt.

Trotz dieser wirklich suboptimalen Ausgangssituation traf ich auf ihn. T. Und zwar an Tag eins. Quasi. Zumindest sehr, sehr früh. Denn weil das Schicksal mich liebt und Karma a thing is (anders kann ich es mir nicht erklären), kommen wir in das selbe Studieren-lernen-Meta-Seminar. Er als einer von zwei Jungs. Ich und ca. 30 andere, sehr viel schönere Erstsemesterinnen. Ein Blick in seine Richtung (den er nicht einmal erwidern musste) genügte und es war um mich geschehen. Was ich natürlich nicht wahrhaben wollte. Es kam, wie es kommen müsste (, weil ich sonst mein Lebtag nicht mehr glücklich geworden wäre), ich verließ G. und ging eine Beziehung mit T. ein Und so fies es auch war, G. das Herz zu brechen (bis heute vielleicht sogar das schlimmste, was ich je tun musste), so einfach war es mit T. Und ist es noch. Zehn Jahre sind vergangen wie ein Wimpernschlag und jetzt sitze ich hier und kriege Nachrichten bezüglich unserer Urlaubsplanung ("Nehmen wir dann die Woche nach meinem Geburtstag noch frei oder ist das zu nah an unserem 10-Jährigen?") und kann mein verdammtes Glück kaum fassen. Fass wir an derselben Uni gelandet sind, im selben Kurs, zur selben Zeit. Uff, Schwein gehabt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen