Wer startet 2020 bitte noch einen Blog?!

Die eigenen Gedanken, Erlebnisse und Gefühle aufzuschreiben und (mehr oder weniger) anonym online zu veröffentlichen - das ist soooo 2009, ergänzt um Bilder vor dreckigen Spiegel (natürlich mit Blitz!) vielleicht sogar 2014. Aber 2020, da macht das doch definitiv niemand mehr, ooooder? An dieser Stelle könnte man meinen, ich wäre einfach wirklich sehr late to the party. So late, dass ich am nächsten Morgen nur noch miterleben, wie der klebrige Boden gewischt und der Pfand eingesammelt wird. Dabei war ich schon mal auf dieser Party, inklusive Paillettenrock und lässigem schwarzen T-Shirt. Und dann bin ich früher weg, hab mich irgendwo anders rumgetrieben, während ausdauernde Partygäster the time of their lives hatten und richtig abgeräumt haben. Aus denen sind mittlerweile Berufsblogger*innen geworden, was okay ist - no hard feelings meinerseits, schließlich hatte ich nie Ambitionen (oder das entsprechende Umfeld), um meine fresse derart hartnäckig in die Kamera zu halten - und das für ein paar billo Gratisklamotten aus mal mehr, mal weniger dubiosen Chinashops, Fame und dem ständigen Urteil von sehr vielen, sehr fremden Menschen aus dem Internet. Ist schon okay, ich hab mein eigenes Ding gemacht, fast offline. Ich habe meinen Weg gefunden, erst ein Bachelor-, dann ein Masterstudium absolviert, bin aus-, dann um- und - yay - zusammengezogen und habe nun einen Job der - das wird man ja wohl noch sagen dürfen - so richtig, richtig geil ist. Davor hatte ich ein paar, sehr wenige, Jobs, die nur Mittelmaß waren, was vollkommen okay ist. 

Jedenfalls verdienen ich jetzt mein Geld mit Schreiben, seriösen Schreiben, im Namen eines Unternehmens, das wichtige und richtige Dinge tut, sodass ich quasi beruflich mit die Welt rette. Was ein verdammt gutes Gefühl ist, lasst euch das gesagt sein. (Und an anderer Stelle werde ich es euch garantiert nochmal sagen, versprochen.) 

Nun bin ich back on track, zurück im Internet, wo ich unter dem Deckmantel der Anonymität ein bisschen was schreiben möchte und werde. Warum? Weil ich Bock hab, verdammt. Bock auf Schreiben und zwar ohne eine potentielle Zielgruppe (die ominöse Fachpresse) im Hinterkopf zu haben. Raus aus meinem Kopf, Fachpresse! 

Ich möchte schreiben: über mein Leben, was mich bewegt, was ich fühle. Über Eltern, die altern und krank werden und damit sehr viel Verantwortung an mich geben. Über eine Schwester, die keine ist, sondern quasi die größte Enttäuschung, die ich mir vorstellen kann. Über den Klimaschutz, Veganismus. Darüber, dass ich viel zu wenig (genauer gesagt gar keinen) Sport mache, während mein Freund T. immer fitter wird und ich so langsam Sorte um unsere Beziehung habe. Denn wie lange hält man es noch mit jemandem aus, der den Körper einer RTL-2-Protagonistin hat? Über Sprache, die mich fasziniert, manchmal vielleicht sogar zu sehr. Kurzum: Die Reise geht los, wohin genau, weiß noch niemand. Ist aber vollkommen okay so, schließlich braucht es nicht für alles einen Plan. Ich will einfach nur schreiben, schreiben, schreiben, weil das Spaß, Spaß, Spaß macht. 

Wieder lernen, meine Gedanken zu geschriebenen Worten werden zu lassen, schonungslos ehrlich mir gegenüber. Los geht's. 

Das. Wird. Gut.     

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